Organe eingefroren: Ist der “See-Killer” ein Kannibale?

Heute wollen die Ermittler in einer Pressekonferenz Antworten zur Seeleiche vom Neusiedler See geben. Ein grausiger Fund wirft vorerst aber weitere Fragen auf.

Ein schmuckloser Gemeindebau in Wien-Brigittenau war Schauplatz eines der hässlichsten Verbrechen der letzten Jahre: Alfred U. soll hier eine Zufallsbekanntschaft getötet und im Badezimmer zersägt haben. Die Leichenteile brachte er in Etappen zu seiner Schilfhütte in Rust (Bgld.), wo er das Opfer versenkte.

Gefrorene Eingeweide

Wie von „Heute“ berichtet, fehlten im gefundenen Torso die inneren Organe. Ermittler entdeckten sie vergangene Woche in der Wiener Wohnung von Alfred U. Laut „Kronen Zeitung“ waren die zerkleinerten Eingeweide im Tiefkühlfach eingefroren. Wolle Alfred U. die Tote etwa essen? Die Antwort darauf könnte heute ein Statement der Ermittler in Eisenstadt liefern. Polizei und Staatsanwaltschaft informieren zu der spektakulären Causa ab 10.30 Uhr in einer gemeinsamen Pressekonferenz. heute.at berichtet laufend aktuell.

“Sie sollte einfach still sein …”

Bereits am Wochenene befrage seine Anwältin Astrid Wagner den 63-jährigen Verdächtigen nach seinem Motiv. Antwort: „Sie hörte einfach nicht auf zu schreien, als ich ihr auf den Busen gegriffen habe. Da würgte ich sie – so lange, bis sie endlich still war …“
Doch warum sollte ein leichtes Mädchen bei Körperkontakt brüllen? Außerdem hat Alfred U. schon einmal einer Prostituierten die Brustwarze abgebissen. Fakt ist indes: Nach der Leichenzerteilung riss der Verdächtige – es gilt die Unschuldsvermutung – die versauten Fliesen hinaus. Zum Wohlfühlen war seine chaotische Wohnung auch vor der Tat nicht. Fotos zeigen eine billige Einrichtung – die Kochplatte stand etwa auf der Waschmaschine. Einziger Luxus: ein Fernsehgerät (auf diesem lief bevorzugt Puls 4) und ein PC mit zwei Monitoren.

“See-Killer” kommt nach Wien

Wie geht es jetzt weiter mit dem mehrfach vorbestraften Verdächtigen? Der gebürtige Burgenländer sitzt derzeit im Eisenstädter Landesgericht in Untersuchungshaft. Demnächst soll er aber in die Justizanstalt Wien-Josefstadt überstellt werden. In der Bundeshauptstadt wird dann auch sein Prozess stattfinden – weil hier der Tatort war. Alfred U. hat wenig Hoffnung auf ein mildes Urteil: „Ich weiß, dass ich in Haft sterben werde.“

Trotz “hohem Rückfallrisiko” entlassen

Doch warum kam er überhaupt frei? Hätte der entsetzliche Frauenmord verhindert werden können? Ein „Heute“ vorliegendes Dossier über den Verdächtigen Alfred U. legt diesen Schluss nahe. Die Justizanstalt Wien-Mittersteig ordnete den „Untergebrachten der Gruppe der Straftäter mit einem hohen Rückfallrisiko zu“. Alfred U. saß nach einer Vergewaltigung zuletzt 21 Jahre in Haft, insgesamt war er in seinem Leben schon mehr als 30 Jahre inhaftiert. Ein psychologischer Sachverständiger ortete bei ihm „ein erhöhtes Aggressionspotenzial insbesondere Frauen gegenüber“ – Prognose aber „vorsichtig günstig“. Daher wurde er im Oktober 2016 bedingt entlassen. Ein schwerer Fehler, wie sich nun herausstellte.

Anwältin: “Er ist keine Bestie”

Seine Anwältin Astrid Wagner: „Er ist keine Bestie, er kam mit dem Leben in Freiheit nicht zurecht.“
„Um solch schreckliche Verbrechen zu verhindern, braucht es ein Expertengremium im Verfahren zur bedingten Entlassung“, fordert Maßnahmenvollzugs-Experte und SiM-Obmann Markus Drechsler (siehe auch Infokasten).

Hätte die Bluttat verhindert werden können, Herr Drechsler?

Markus Drechsler ist Obmann von SiM (“Selbst- und Interessensvertretung zum Maßnahmenvollzug) und beschäftigt sich seit Jahren intensiv mit der Gutachter-Thematik. Für heute.at schrieb der Chefredakteur der Zeitschrift “Blickpunkte” einen Gastkommentar.

Die Gutachter-Problematik ist seit längerem bekannt. Bereits 2011 hat das Justizministerium eine Studie zur Gutachtenqualität der Entlassungs-Gutachten an der Universität Ulm in Auftrag gegeben. Das Ergebnis war verheerend, der Großteil der überprüften Gutachten hatten schwere Mängel. Es kam jedoch zu keiner Reaktion seitens des Ministeriums und auch zu keiner Änderung bei den Qualitätskriterien. Außerdem werden die psychiatrischen Gutachter schlecht bezahlt, das führt dann auch zu einer geringen Motivation viel Zeit in ein aufwendiges Gutachten zu investieren. Um weitere Straftaten zu vermeiden, ist die Qualität der Gutachten zu verbessern und die Einsetzung von Expertengremien im Verfahren zur bedingten Entlassung aus dem Maßnahmenvollzug. So kann man in Zukunft solche schrecklichen Verbrechen besser vermeiden.

Markus Drechsler, SiM-Obmann, www.massnahmenvollzug.org

Quelle: https://www.heute.at

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